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Die Bedeutung der Faserstärke für Garne: Mikronwerte unter die Lupe genommen

Bianca Pinn • 28. März 2025

Warum die Faserstärke über Kuschelglück oder Kratzhölle entscheidet

Seien wir ehrlich: Wolle ist nicht gleich Wolle. Manche Garne fühlen sich an wie eine liebevolle Umarmung, andere wie ein Kaktus im Winterpulli. Aber warum ist das so? Die Antwort liegt – Trommelwirbel! – im Mikronwert.

Doch was zum flauschigen Alpaka ist ein Mikron? Und warum sollte uns das überhaupt interessieren? Keine Sorge, ich nehme dich mit auf eine kleine, aber feine Reise in die Welt der Fasern.



Mikron – klein, aber oho!

Ein Mikron (oder Mikrometer) ist ein Millionstel Meter. Sprich: 1.000 Mikron ergeben gerade mal einen Millimeter. Und ja, das ist verdammt winzig! In der Garnwelt wird der Mikronwert genutzt, um die Feinheit der Fasern zu bestimmen – quasi die Beauty-Skala für Wolle.

Die Regel ist simpel:

  • Niedriger Mikronwert = superfein, superweich, superkuschelig
  • Hoher Mikronwert = robuster, aber auch potenziell kratziger

 

So erklärt sich, warum einige Garne sich anfühlen wie eine sanfte Brise auf nackter Haut, während andere Erinnerungen an den selbstgestrickten Pulli von Tante Else wecken – du weisst schon, den, den man nur aus Höflichkeit trägt (und trotzdem heimlich ein Langarmshirt drunterzieht).



Wie wird der Mikronwert gemessen?


Damit klar ist, wie weich oder robust eine Faser wirklich ist, muss ihre Dicke genau bestimmt werden. Doch wie misst man etwas, das nur wenige Mikrometer dünn ist? Dafür gibt es verschiedene Methoden, die in spezialisierten Laboren angewendet werden.

Laborantin schaut durch Mikroskop

Lastermikroskopie


Die präziseste Methode ist die Lasermikroskopie. Dabei wird die Faser unter ein hochauflösendes Mikroskop gelegt und mit einem Laserstrahl gescannt. Der Computer berechnet daraus den exakten Durchmesser der Faser – und das mit einer Genauigkeit, die selbst die feinste Vikunja-Faser erfassen kann. Diese Methode ist extrem zuverlässig, allerdings auch teuer und aufwendig.



Luftstrommessung


Eine weitere Technik ist die Luftstrommessung, auch bekannt als Airflow-Methode. Hierbei werden die Fasern in eine Kammer mit kontrolliertem Luftstrom gegeben. Je nachdem, wie stark die Fasern den Luftstrom abbremsen, kann man auf ihre Dicke schließen. Diese Methode ist besonders praktisch für die schnelle Qualitätskontrolle großer Wollmengen, allerdings nicht ganz so präzise wie die Lasermikroskopie.



Lichtmikroskop


Die wohl traditionellste Methode ist die Projektion unter dem Lichtmikroskop. Dabei wird die Faser stark vergrößert und auf einem Bildschirm dargestellt, wo ein Techniker die Dicke manuell misst. Diese Methode ist zwar einfach und erfordert keine Hightech-Ausrüstung, aber sie ist anfälliger für Fehler, da sie stark von der Erfahrung der Messenden abhängt.


Feine vs. kräftige Fasern – Wer gewinnt das Woll-Duell?


Beim Garn kommt es nicht nur auf die Herkunft an, sondern auch auf die Dicke der Faser – und da gibt es große Unterschiede! Feine Fasern sorgen für kuschelig weiche, luxuriöse Garne, während kräftigere Fasern eher robust und langlebig sind. Doch was bedeutet das genau? Schauen wir uns die beiden Teams mal genauer an.


Feine Fasern – Kuschelweich & edel

Diese Fasern sind die Supermodels der Wollwelt: extrem weich, leicht und luxuriös. Kaschmir, Vikunja, feines Merino oder Baby-Alpaka fallen in diese Kategorie – alle mit einem Mikronwert unter 18.

✅ Weich wie eine Wolke: Feine Fasern sind besonders geschmeidig, weshalb sie sich perfekt für alles eignen, was direkt auf der Haut getragen wird – kein Jucken, kein Kratzen!
✅ Perfekte Wärmeisolierung: Durch die feine Kräuselung der Fasern entstehen Luftpolster, die die Wärme optimal speichern. Ein dünner Pullover aus feiner Wolle hält oft wärmer als ein dicker aus grober Schurwolle.
❌ Empfindlicher & pillinganfällig: So schön sie auch sind – feine Fasern sind kleine Diven. Sie neigen eher zur Knötchenbildung (Pilling) und sind weniger widerstandsfähig gegen Reibung. Wer ein feines Kaschmirteil liebt, sollte es pfleglich behandeln!


Kräftige Fasern – Robust & widerstandsfähig

Hier wird nicht geflauscht, hier wird gearbeitet! Kräftige Fasern, wie klassische Schurwolle oder gröberes Alpaka, haben Mikronwerte von 25 oder mehr.

✅ Langlebig & unkaputtbar: Grobe Fasern sind stabil und strapazierfähig. Sie pillen weniger, behalten ihre Form und halten auch mal einen raueren Waschgang aus.
✅ Ideal für Outdoor & Arbeitskleidung: Die robustere Struktur sorgt für eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Wind, Wetter und mechanische Beanspruchung – perfekt für Trachten, Decken oder langlebige Jacken.
❌ Nicht immer hautfreundlich: Wer empfindlich ist, könnte beim Tragen von grober Wolle das Gefühl haben, sich mit einer Bürste zu umarmen.


Und wer gewinnt?

Wie immer: Es kommt drauf an! Feine Fasern sind das Nonplusultra für Luxus, Komfort und Hautfreundlichkeit, während kräftige Fasern die beste Wahl für langlebige, strapazierfähige Strickstücke sind. Wer also das perfekte Garn sucht, sollte überlegen, ob er mehr auf „kuschelweich“ oder „hält für die Ewigkeit“ setzt.



Welche Fasern haben welchen Mikronwert?

Damit ihr nicht ins Blaue hineinfühlt, hier eine kleine Übersicht der bekanntesten Fasern und ihrer Mikronwerte:


Auflistung verschiedener Fasertypen mit Mikronbereich und Eigenschaften


Warum das für dich als Strick- und Häkelfan wichtig ist


Jeder kennt das: Man kauft ein wunderschönes Garn, strickt voller Hingabe einen Schal – und dann juckt das Ding so sehr, dass man sich damit höchstens noch als Topfschrubber bewerben könnte. Mikronwerte helfen dir, solche Fehltritte zu vermeiden!


Kleiner Merksatz:

  • 15-18 Mikron = Direkt auf der Haut tragbar, perfekt für Schals, Mützen, Pullover
  • 19-24 Mikron = Immer noch weich, aber eher für Kleidungsstücke mit Unterlage
  • 25+ Mikron = Stabil und robust, perfekt für Jacken, Outdoor-Kleidung oder Teppiche


Natürlich gibt’s immer Ausnahmen, und Verarbeitung sowie Spinntechnik spielen auch eine Rolle – aber grundsätzlich gilt: Je niedriger der Mikronwert, desto mehr „Aaah“ statt „Autsch“ auf der Haut.



Woher kommen die edelsten Wollfasern der Welt?


Wenn es um Wolle geht, ist die Herkunft genauso spannend wie die Faser selbst. Jedes Tier bringt seine ganz eigenen Qualitäten mit – von ultraleicht und weich bis hin zu robust und wetterfest.


Kaschmirziege auf Berg

Kaschmirwolle


Kaschmir stammt von der Kaschmirziege, die in den eisigen Höhen der Mongolei, Chinas, des Irans und Afghanistans lebt. Ihre Unterwolle ist extrem fein und misst nur 14 bis 16 Mikron, was sie zu einer der weichsten Fasern der Welt macht. Kaschmir ist nicht nur federleicht, sondern auch sechsmal wärmer als herkömmliche Schafwolle. Das Problem? Eine einzige Ziege liefert pro Jahr nur etwa 200 Gramm Wolle – deshalb sind Kaschmirprodukte so luxuriös (und teuer).




braune und weiße Alpakas am Wasser

Alpakawolle


Alpaka ist die edle Faser aus Südamerika und stammt von den gleichnamigen Tieren, die in den Anden auf über 3.000 Metern Höhe leben. Alpaka-Wolle hat eine besondere Hohlfaserstruktur, die sie extrem leicht und wärmeisolierend macht. Die Mikronwerte reichen von 18 bis 25 Mikron, wobei die feinste Qualität als Baby-Alpaka bekannt ist – keine Sorge, dafür werden keine Alpakababys geschoren! Der Begriff bezieht sich nur auf die feinsten Haare des erwachsenen Tieres. Ein weiterer Pluspunkt: Alpaka enthält kein Lanolin, wodurch es oft auch für Wollallergiker gut verträglich ist.



Merinoschafe auf Weide

Merinowolle


Merinowolle kommt vom Merinoschaf, das ursprünglich aus Spanien stammt, heute aber vor allem in Australien, Neuseeland und Südamerika gezüchtet wird. Merino ist eine der beliebtesten Wollarten, weil sie weich, elastisch und temperaturregulierend ist. Die Mikronwerte variieren je nach Qualität: Feine Merinowolle liegt zwischen 15 und 18 Mikron und ist superweich, während Standard-Merino mit 19 bis 24 Mikron immer noch angenehm, aber etwas robuster ist.





Vikunja-Herde im Hochland der Anden

Vikunja


Und dann gibt es noch das absolute Luxuslevel: Vikunja-Wolle, auch bekannt als das „Gold der Anden“. Vikunjas sind die wilden Verwandten der Alpakas und leben in den peruanischen Hochanden auf über 4.000 Metern Höhe. Ihre Fasern sind mit 10 bis 12 Mikron die feinste Tierfaser der Welt – noch weicher als Kaschmir! Vikunjas dürfen nur alle zwei Jahre geschoren werden, und ein einzelnes Tier liefert dabei gerade einmal 200 Gramm Wolle. Das macht Vikunja-Wolle zu einer absoluten Rarität und erklärt, warum ein Schal aus reinem Vikunja locker über 1.000 Euro kosten kann. Die Faser ist nicht nur unfassbar weich, sondern auch extrem leicht und temperaturregulierend – ein echter Traum für Wollliebhaber mit einem großen Budget!



Fazit – Feine oder kräftige Fasern? Es kommt drauf an!


Ob feine oder kräftige Fasern besser sind, hängt ganz davon ab, was du suchst. Wenn du Luxus, Weichheit und Wärme möchtest, dann greif zu feinen Fasern wie Kaschmir, Vikunja oder feinem Merino. Diese Garne fühlen sich traumhaft an, brauchen aber etwas mehr Pflege. Wenn dir Langlebigkeit, Strapazierfähigkeit und Widerstandskraft wichtiger sind, dann sind kräftigere Fasern wie klassische Schurwolle oder grobes Alpaka die bessere Wahl.


Am Ende gibt es kein „besser“ oder „schlechter“ – es kommt darauf an, wie das fertige Stück genutzt wird. Für einen kuscheligen Schal? Feine Fasern. Für eine rustikale Strickjacke, die jahrelang hält? Kräftige Fasern. Und für alle, die sich nicht entscheiden können? Mischgarne bieten oft die perfekte Balance zwischen Weichheit und Haltbarkeit.


Egal, für welche Wolle du dich entscheidest – Hauptsache, du genießt das Kuscheln mit deinem neuen Lieblingsteil! 🧶✨


Deine Bianca


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